SAP Security Patch Day - Juli 2026: Zahlreiche kritische Schwachstellen
- GoNextConsulting

- 14. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Der SAP Security Patch Day im Juli 2026 bringt 16 neue Security Notes, ein GitHub Security Advisory und drei Aktualisierungen bereits veröffentlichter Notes mit sich. Besonders kritisch sind drei neue Schwachstellen mit CVSS-Werten bis 9,9. Eine aktualisierte Juni-Note wird ebenfalls als kritisch eingestuft.
Im Fokus stehen eine Memory-Corruption-Schwachstelle im SAP NetWeaver Application Server ABAP, HTTP Request Smuggling im SAP Approuter sowie unsichere Beispiel-Zugangsdaten in SAP Commerce Cloud. Hinzu kommen mehrere High-Priority-Schwachstellen in zentralen SAP-Komponenten.
Gerade die Kombination aus Netzwerkzugriff, geringer Angriffskomplexität und weitreichenden Auswirkungen macht eine schnelle Bewertung und Patch-Planung erforderlich.
Nachfolgend fassen wir die relevantesten SAP Security Notes für Juli zusammen, priorisiert nach Kritikalität, inklusive konkreter Handlungsempfehlungen.

Kritische Schwachstellen im Juli 2026
1. CVE-2026-44747 – Memory Corruption in SAP NetWeaver AS ABAP (3747367)
CVSS-Score: 9,9 – Sehr hohe Priorität
Beschreibung: Die Schwachstelle im SAP NetWeaver AS ABAP kann Speicherbereiche beschädigen und dadurch zentrale Systemprozesse beeinträchtigen. Bereits ein Benutzer mit geringen Berechtigungen könnte einen Angriff über das Netzwerk auslösen. Im schlimmsten Fall drohen Systemabstürze, manipulierte Daten oder eine weitergehende Übernahme des SAP-Systems.
Handlungsempfehlungen:
SAP Security Note umgehend prüfen und einspielen
Betroffene ABAP-Systeme und Kernel-Versionen inventarisieren
Extern erreichbare Systeme zuerst patchen
System-Dumps, Prozessabbrüche und Kernel-Ereignisse überwachen
2. CVE-2026-27690 – HTTP Request Smuggling im SAP Approuter (3720138)
CVSS-Score: 9,1 – Sehr hohe Priorität
Beschreibung: Beim HTTP Request Smuggling interpretieren der SAP Approuter und vorgeschaltete Systeme dieselbe Anfrage unterschiedlich. Manipulierte Anfragen können so an Sicherheitskontrollen vorbeigeschleust werden und den Zugriff auf geschützte Inhalte ermöglichen. Besonders relevant ist das Risiko in Umgebungen mit Reverse Proxys, Load Balancern oder Web Application Firewalls.
Handlungsempfehlungen:
SAP Approuter auf eine korrigierte Version aktualisieren
Öffentlich erreichbare Approuter priorisieren
Proxy-, Load-Balancer- und WAF-Konfigurationen prüfen
Logs auf auffällige Header und fehlerhafte Anfragen untersuchen
3. CVE-2026-44761 – Unsichere Beispiel-Zugangsdaten in SAP Commerce Cloud (3753495)
CVSS-Score: 9,1 – Sehr hohe Priorität
Beschreibung: In SAP Commerce Cloud wurden unsichere Beispiel- oder Standard-Zugangsdaten entdeckt. Werden solche Konten, Passwörter oder Konfigurationswerte unverändert verwendet, können Unbefugte auf das System zugreifen. Dadurch besteht die Gefahr, dass sensible Daten eingesehen oder verändert werden.
Handlungsempfehlungen:
SAP Security Note und Korrekturen umgehend einspielen
Beispiel-, Standard- und Initialkonten identifizieren
Passwörter und technische Secrets ändern
Nicht benötigte Konten deaktivieren oder entfernen
4. CVE-2026-40128 – Directory Traversal in SAP NetWeaver AS Java (3727078)
CVSS-Score: 9,0 – Sehr hohe Priorität
(Aktualisierung einer Security Note vom Juni 2026)
Beschreibung: Durch die Directory-Traversal-Schwachstelle im SAP NetWeaver AS Java könnten Angreifer auf Dateien außerhalb der freigegebenen Verzeichnisse zugreifen. Die Ausnutzung ist technisch anspruchsvoll, kann aber aus der Ferne erfolgen. Da SAP die Security Note aus dem Juni 2026 aktualisiert hat, sollten Unternehmen auch bereits gepatchte Systeme erneut prüfen.
Handlungsempfehlungen:
Aktuellen Stand der SAP Security Note prüfen
Bereits gepatchte Juni-Systeme erneut bewerten
Aktualisierte Korrekturen einspielen
Logs auf ungewöhnliche Pfade und Dateizugriffe prüfen
5. CVE-2026-40860 – Apache-Camel-Schwachstellen in der SAP Integration Suite (3758101)
CVSS-Score: 8,8 – Hohe Priorität
Weitere CVEs: CVE-2026-40453, CVE-2026-33454
Beschreibung: Mehrere Apache-Camel-Schwachstellen betreffen die Edge Integration Cell der SAP Integration Suite. Ein angemeldeter Benutzer mit geringen Berechtigungen kann sie über das Netzwerk ausnutzen. Dadurch können Integrationsflüsse, Backend-Verbindungen und sensible Zugangsdaten gefährdet werden.
Handlungsempfehlungen:
Edge Integration Cell auf Version 8.43.11 oder neuer aktualisieren
Extern erreichbare Integrationsendpunkte priorisieren
Technische Benutzer, Zertifikate und Secrets prüfen
Integrationsflüsse und ungewöhnliche Verbindungsziele überwachen
6. CVE-2026-0487 – DLL Hijacking im SAProuter unter Windows (3692165)
CVSS-Score: 8,4 – Hohe Priorität
Beschreibung: Unter Windows kann der SAProuter eine manipulierte DLL aus einem unsicheren Verzeichnis laden. Voraussetzung ist, dass ein Angreifer bereits lokalen Zugriff besitzt und dort eine Datei platzieren kann. Beim Start des SAProuter würde der eingeschleuste Schadcode mit den Berechtigungen des Dienstes ausgeführt.
Handlungsempfehlungen:
Betroffene SAProuter-Versionen aktualisieren
Schreibrechte in Programm- und Suchverzeichnissen einschränken
SAProuter-Verzeichnisse auf unbekannte DLL-Dateien prüfen
SAProuter-Dienst mit minimalen Berechtigungen betreiben
7. CVE-2026-44752 – Cross-Site Scripting im NetWeaver Java Configuration Wizard (3748227)
CVSS-Score: 8,2 – Hohe Priorität
Beschreibung: Über die Cross-Site-Scripting-Schwachstelle im SAP NetWeaver Java Configuration Wizard lässt sich schädlicher Code in eine präparierte Seite oder einen Link einschleusen. Öffnet ein Benutzer diesen Inhalt, wird der Code in seinem Browser und innerhalb des vertrauenswürdigen SAP-Kontexts ausgeführt. Bei Administratorkonten könnten Angreifer dadurch Informationen auslesen oder Aktionen mit erweiterten Rechten ausführen.
Handlungsempfehlungen:
SAP Security Note für LMCTC 7.50 einspielen
Configuration Wizard nicht öffentlich erreichbar machen
Zugriff auf Administratoren und administrative Netze beschränken
Web- und Zugriffsprotokolle auf auffällige Parameter prüfen
8. CVE-2026-44745 – Open Redirect im SAP Approuter (3741519)
CVSS-Score: 8,1 – Hohe Priorität
Beschreibung: Die Schwachstelle im SAP Approuter ermöglicht Weiterleitungen von einer vertrauenswürdig wirkenden SAP-Adresse auf eine manipulierte Webseite. Öffnet ein Benutzer einen entsprechend präparierten Link, kann er unbemerkt auf eine Phishing-Seite gelangen. Angreifer könnten dies nutzen, um Anmeldedaten oder Tokens abzugreifen.
Lösung:
SAP Approuter auf eine korrigierte Version aktualisieren
Erlaubte Redirect-Ziele per Positivliste begrenzen
Sensible Tokens nicht in URLs übertragen
Logs auf ungewöhnliche Weiterleitungsziele prüfen
9. Mehrere CVEs – Apache-Tomcat-Schwachstellen in SAP Commerce Cloud (3763800)
CVSS-Score: 8,1 – Hohe Priorität
CVEs: CVE-2026-43512, CVE-2026-41293, CVE-2026-43515
Beschreibung: SAP behebt mehrere Schwachstellen in Apache Tomcat, die auch SAP Commerce Cloud betreffen. Für eine erfolgreiche Ausnutzung ist zwar technisches Know-how erforderlich, ein Angriff kann jedoch direkt über das Netzwerk erfolgen. Je nach Schwachstelle könnten Angreifer Daten auslesen oder verändern und die Verfügbarkeit der Systeme beeinträchtigen.
Lösung:
SAP Security Note und Commerce-Cloud-Komponenten aktualisieren
Internetexponierte Commerce-Systeme priorisieren
Tomcat- und Plattformversionen inventarisieren
Administrative Schnittstellen und auffällige Webanfragen prüfen
10. CVE-2026-58233 – Remote Code Execution im CTS Attach Tool (3773304)
CVSS-Score: 7,6 – Hohe Priorität
Beschreibung: Über das SAP CTS Attach Tool könnten manipulierte Anhänge oder Transportartefakte in den Transportprozess eingeschleust werden. Dafür benötigt ein Angreifer ein Benutzerkonto mit geringen Berechtigungen und muss einen weiteren Benutzer zur Verarbeitung der Datei bewegen. Gelingt dies, kann Schadcode aus der Ferne ausgeführt werden.
Lösung:
SAP Security Note zeitnah einspielen
Zugriff auf Upload- und Transportfunktionen beschränken
Anhänge und Transportartefakte vor der Verarbeitung prüfen
Ungewöhnliche Uploads und Tool-Aufrufe überwachen

Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Um SAP-Systeme bestmöglich gegen Angriffe abzusichern, sollten Unternehmen die folgenden Maßnahmen zeitnah umsetzen:
Patches mit CVSS >9,0 priorisiert einspielen
RFC- und S_RFC-Berechtigungen regelmäßig auditieren
Kernel- und BI-Komponenten aktuell halten
Sicherheitsrelevante SICF-Services überprüfen
Patch-Management fest in Betriebsprozesse integrieren
Wie Go Next Consulting euch bei der Absicherung eurer SAP-Systeme unterstützt
Gerade bei einer größeren Zahl kritischer und hoch priorisierter Security Notes ist eine strukturierte Bewertung entscheidend. Nicht jede SAP-Landschaft ist gleichermaßen betroffen, gleichzeitig dürfen exponierte oder geschäftskritische Systeme nicht zu spät behandelt werden.
Wir bieten Managed Security Services an, um Unternehmen bei der Identifikation, Bewertung und Behebung von Sicherheitslücken in SAP-Systemen zu unterstützen.
Unsere Leistungen im Überblick:
✅ Regelmäßige Sicherheits-Checks:
Proaktive Überwachung und Analyse potenzieller Bedrohungen
✅ Patch-Management:
Unterstützung bei der schnellen und reibungslosen Implementierung von SAP-Sicherheitsupdates --> siehe Managed SAP Security Notes Service
✅ Schwachstellen-Scans:
Identifikation von Sicherheitslücken in Echtzeit mit modernen Security-Tools wie SecurityBridge
✅ Risikominimierung:
Strategien zur Stärkung der SAP-Sicherheitsarchitektur, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden
Mit unserer Expertise im Bereich SAP Security Management helfen wir euch, euer System kontinuierlich zu schützen und Angriffsrisiken zu minimieren.
Fazit zum SAP Security Patch Day im Juli
Der SAP Patch Day im Juli 2026 zeigt deutlich, dass nicht nur die Anzahl der Notes entscheidend ist, sondern auch die Kritikalität der betroffenen Basiskomponenten.
Denn auch diesen Monat sind mehrere zentrale Bestandteile moderner SAP-Landschaften betroffen.
Unsere Empfehlung:
Prüft die tatsächliche Betroffenheit sofort, behandelt die vier kritischen Einträge mit höchster Priorität und nehmt auch bereits umgesetzte Juni-Patches erneut in die Bewertung auf.
Wer Sicherheitsrisiken minimieren will, sollte die Hinweise nicht nur zügig einspielen, sondern auch grundlegende Konzepte zur Härtung und Überwachung etablieren. Wir helfen euch gern dabei!
Bleibt wachsam und up-to-date!




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