SAP-Risiken frühzeitig erkennen: Warum eine strukturierte Risikoanalyse so wichtig ist
- GoNextConsulting

- 26. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Viele Unternehmen investieren in technische Schutzmaßnahmen, neue Tools oder komplexe Berechtigungskonzepte (was sehr wichtig ist). Doch eine entscheidende Frage wird dabei oft zu spät gestellt: Welche Risiken bestehen eigentlich konkret in unserem SAP-System?
Solange diese Frage nicht strukturiert beantwortet wird, bleibt Sicherheit reaktiv. Und reaktive Sicherheit ist fast immer teurer, aufwendiger und stressiger als eine frühzeitige, strategische Betrachtung.
Eine saubere Identifizierung von Risiken bildet deshalb die Grundlage für jede nachhaltige SAP-Sicherheitsstrategie.

Warum Risikoerkennung am Anfang stehen muss
Sicherheitsmaßnahmen entfalten nur dann ihre Wirkung, wenn sie auf realen Risiken basieren. Wer die Risiken nicht kennt, kann sie weder priorisieren noch sinnvoll adressieren.
In der Praxis zeigt sich immer wieder: Je später Security im Projekt berücksichtigt wird, desto höher sind Aufwand und Kosten. Frühzeitige Risikoerkennung verhindert hektische Nachbesserungen, unerwartete Audit-Findings und operative Störungen.
Dabei geht es nicht nur um Technik. Eine strukturierte Risikobetrachtung umfasst auch:
organisatorische Verantwortlichkeiten
Prozessabläufe
Rollen- und Berechtigungskonzepte
Schnittstellen und Integrationen
Typische Fragen, die am Anfang stehen sollten, sind:
Was muss geschützt werden?
Wo befinden sich sensible Daten?
Welche Systeme und Prozesse sind kritisch?
Wer trägt die Verantwortung für SAP Security?
Was banal klingt, ist in vielen Organisationen nicht eindeutig geklärt.
Warum SAP-Systeme besonders sensibel sind
SAP ist kein Nebensystem. Es steuert Finance, HR, Logistik, Produktion und viele weitere geschäftskritische Prozesse. Ein Sicherheitsvorfall wirkt sich daher direkt auf das operative Geschäft aus.
Hinzu kommt: SAP-Landschaften sind häufig über Jahre gewachsen. Systeme wurden erweitert, Schnittstellen ergänzt, Rollen kopiert, Prozesse angepasst. Dokumentationen sind nicht immer vollständig, Zuständigkeiten nicht klar geregelt.
Diese Mischung aus Komplexität, historisch gewachsener Struktur und geschäftskritischer Bedeutung macht SAP-Systeme besonders anfällig.
Typische SAP-spezifische Risiken
In einer strukturierten Risikoanalyse treten meist wiederkehrende Risikobereiche zutage:

Zugriffsrisiken
Übermäßige Berechtigungen sind einer der häufigsten Schwachpunkte. Wenn Mitarbeitende mehr Rechte haben, als sie tatsächlich benötigen, entstehen unnötige Risiken. Besonders kritisch wird es, wenn Funktionstrennungen (Segregation of Duties) nicht sauber umgesetzt sind.
Systemrisiken
Veraltete Komponenten oder fehlendes Patch-Management schaffen technische Angriffsflächen. Gerade in langlaufenden Systemen werden Updates häufig aus Stabilitätsgründen verschoben, mit potenziell gefährlichen Folgen.
Integrationsrisiken
Externe RFC-Verbindungen, IDocs oder OData-Services erweitern die Funktionalität aber auch die Angriffsfläche. Jede zusätzliche Schnittstelle bedeutet einen weiteren potenziellen Einstiegspunkt.
Transaktionsrisiken
Kritische Prozesse wie Buchungen oder Zahlungen müssen kontrolliert sein. Wenn Prüfmechanismen fehlen oder nicht wirksam sind, können finanzielle Schäden entstehen.
Organisatorische Risiken
Ein häufig unterschätzter Punkt: unklare Zuständigkeiten. Wenn SAP Security „irgendwo mitläuft“, aber keine klare Ownership existiert, entstehen zwangsläufig Lücken.
Wie eine strukturierte SAP-Risikoanalyse abläuft
Eine fundierte Risikobetrachtung folgt keinem Zufallsprinzip, sondern einem klaren Vorgehen.
Zunächst steht eine umfassende Systeminventur: Welche SAP-Systeme existieren? Welche Module sind im Einsatz? Welche Schnittstellen bestehen?
Darauf folgt eine Analyse der Rollen- und Berechtigungsstrukturen: Wer darf was? Wo bestehen potenzielle Berechtigungsrisiken?
Im nächsten Schritt werden mögliche Bedrohungsszenarien definiert. Wie könnten Angriffe aussehen? Wo bestehen Schwachstellen? Technische Analysen, Tools oder Audits helfen dabei, diese Schwachstellen sichtbar zu machen.
Abschließend erfolgt eine Bewertung der identifizierten Risiken nach Kritikalität, etwa mithilfe einer Risikomatrix. Nicht jedes Risiko ist gleich relevant. Entscheidend ist die Priorisierung.

Wichtig dabei:
Risiken ehrlich bewerten, nichts „schönrechnen“
Neben technischen auch organisatorische und prozessuale Aspekte betrachten
IT, SAP-Team, Fachbereiche und Datenschutz gemeinsam einbinden
Nur eine ganzheitliche Sicht schafft realistische Ergebnisse.
Regulatorische Anforderungen erhöhen den Druck
Die strukturierte Identifizierung von Risiken ist nicht nur sinnvoll, sondern zunehmend verpflichtend.
Regulatorische Vorgaben wie NIS2, DORA oder die DSGVO verlangen explizit Risikoanalysen und dokumentierte Sicherheitsmaßnahmen, insbesondere wenn geschäftskritische Prozesse oder personenbezogene Daten betroffen sind.
Gerade in SAP-Systemen werden regelmäßig sensible Daten verarbeitet, beispielsweise in HCM, FI oder CRM. Ohne dokumentierte Risikoanalyse wird es schwierig, regulatorischen Anforderungen standzuhalten.
Was bedeutet das konkret für SAP-Verantwortliche?
Die Identifizierung von Risiken ist kein einmaliges Projekt, sondern eine dauerhafte Aufgabe. SAP muss als integraler Bestandteil der IT-Risikolandschaft betrachtet werden.
Konkret heißt das:
Risiken systematisch dokumentieren
Verantwortlichkeiten klar definieren
Notfallpläne erstellen
auch auf Szenarien wie Ransomware vorbereitet sein
Dazu gehört beispielsweise eine Offline-Dokumentation kritischer Prozesse (z. B. ein Notfallhandbuch in Papierform) sowie die regelmäßige Überprüfung der bestehenden Sicherheitsmaßnahmen.
Handlungsempfehlungen für den Einstieg
Wer strukturiert starten möchte, sollte:
mit einer umfassenden Risikoanalyse beginnen, strukturiert und teamübergreifend
Risiken nach Kritikalität priorisieren
frühzeitig Management und Compliance einbeziehen
geeignete Tools einsetzen (z.B. XAMS, SIEM, Readiness Checks)
Rollen- und Berechtigungskonzept von Anfang an mitdenken
Security-Awareness im Unternehmen stärken
Sicherheit entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch systematisches Vorgehen.
Fazit: Ohne Risikotransparenz bleibt Security Zufall
Viele Unternehmen reagieren auf Sicherheitsvorfälle, statt sie zu verhindern. Der Unterschied liegt in der strukturierten Identifizierung von Risiken.
Wer weiß, wo die Schwachstellen liegen, kann gezielt handeln. Wer sie ignoriert, handelt erst dann, wenn es zu spät ist.
SAP Security beginnt nicht mit einer Maßnahme, sondern mit Klarheit über die eigene Risikolage.
Ihr benötigt Unterstützung rund um eure SAP Security und Berechtigungen? Jetzt einen Termin mit Marvin Buse für ein unverbindliches Erstgespräch vereinbaren!




Kommentare